Der Aufbau des Portfolios ist eine Sache, die Verwaltung eine andere. Über drei Dinge sollten sich Anleger im Klaren sein.
Für den Vermögensaufbau gibt es häufig die Empfehlung einen Aktien ETF zu kaufen, beispielsweise den MSCI World. Heute soll es aber weniger um die Auswahl des Index gehen als vielmehr um die richtige Vermögensaufteilung. Denn 100% in einer einzigen Anlageklasse ist immer mit mehr Risiken behaftet eine Verteilung auf mehrere Anlageklassen. Die Auswahl der Aktien kann in einem Aktien-ETF zwar diversifiziert sein (was beim MSCI World ganz nebenbei nicht der Fall ist), die Anlageklasse selbst ist es jedoch nicht.
Die Konzentration auf eine Anlagenklasse kann dazu führen, dass ein Kurseinbruch große Vermögenseinbußen zur Folge hat. In jungen Jahren kann man das eventuell noch leicht verkraften, später jedoch, wenn der Vermögensverzehr näher rückt oder bereits begonnen hat, kann es zu einem vorzeitigen Aufbrauchen des Vermögens führen. Um das zu vermeiden, bietet sich die Diversifikation auch über Anlageklassen hinweg an. Ihre Bedeutung nimmt mit wachsendem Vermögen zu.
Mit dieser Grundlage ist es trotzdem ein nachvollziehbarer Ratschlag, den Vermögensaufbau durch Sparpläne in einen oder mehrere ETFs auf Aktien zu beginnen. Unter der Bedingung, dass man es aushalten kann, dass die Kurse volatil sind und eben durchaus auch um 50% oder mehr fallen können. Das kann man verschmerzen, wenn man zu Beginn noch über kein großes Vermögen verfügt und die Einbußen entsprechend gering sind. Außerdem, und das wiegt in der Regel sogar schwerer, kann man anschließend seinen Sparvorgang fortsetzen und zu günstigen Kursen viele Anteile kaufen. Das sorgt für eine gute zukünftige Wertentwicklung, so dass sich der Ärger in Grenzen halten sollte.
Früher oder später muss man sich entscheiden
Je länger der Sparplan läuft und je besser sich die Aktienkurse entwickeln, umso mehr wächst das Vermögen an. Früher oder später kommt der Zeitpunkt, an dem man sich entscheiden muss, ob man weiterhin nur in einer Anlageklasse investiert sein möchte. Eine Aufteilung des Vermögens hat den Vorteil, dass ein Einbruch in einer Anlageklasse das Vermögen eben nicht mehr voll trifft. Allein die Aufteilung des Vermögens sorgt für eine Milderung des Vermögensverlustes, negativ korrelierte Anlageklassen sogar für einen Ausgleich, weil sie steigen.
Aus diesem Grund sollte man sich regelmäßig mit seiner Vermögensaufteilung beschäftigen und hinterfragen, ob diese für die gegenwärtige persönliche Situation und die aktuelle Marktsituation angemessen ist. Klingt nicht besonders kompliziert, kann es aber sein, sowohl aufgrund der eigenen Situation als auch der des Marktes. Ohne an dieser Stelle tiefer auf die zugrundeliegenden Ursachen einzugehen ist allerdings interessant, wie regiert werden kann, wenn die Vermögensaufteilung nicht mehr angemessen ist.
Eine Möglichkeit ist, die Komplexität zu reduzieren und zum Beispiel die Marktsituation zu ignorieren. Dann ist das Anlageergebnis allerdings mehr vom Zufall abhängig als einem lieb sein kann. Denn wer will seine Altersvorsorge davon abhängig machen, ob es ein guter Zeitraum zur Geldanlage war? Deshalb macht es Sinn, sich mit den verschiedenen Auswirkungen unterschiedlicher Marktsituationen und -veränderungen auf die Vermögensaufteilung zu beschäftigen.
Chancen und Risiken der Umschichtung
Ein Anleger, der seinen Vermögensaufbau ganz von vorne mit einer einzigen Anlageklasse begonnen hat und dessen Vermögen gewachsen ist, sollte früher oder später diversifizieren. Das bedeutet, dass man entweder die Sparraten zumindest teilweise in andere Anlageklassen investiert oder eine gewisse Summe aus der vorhandenen Anlageklasse in eine andere umschichtet.
Ersteres kann bereits bei geringem Vermögen einfach in die Wege geleitet werden, so dass sich mit jedem Sparvorgang die Vermögensaufteilung ändert. Es kann zwar eine gewisse Zeit dauern, bis eine merkliche Änderung stattgefunden hat, dafür sind die damit verbunden Risiken auf das Vermögen jedoch zu vernachlässigen. Denn es sind jeweils nur die Sparbeiträge, die investiert werden, und das auch noch in die ausgewählte Anlageklasse, in der eine größere Position aufgebaut werden soll.
Letzteres aber, die Umschichtung von kleineren oder größeren Summen zu einem bestimmten Zeitpunkt, ist komplizierter als es klingt. Denn immer, wenn eine Umschichtung erfolgt, besteht das Risiko, dass es kurz darauf zu einer Neubewertung dieser Anlageklassen kommt, welche das Vermögen schmelzen lässt. Umgekehrt besteht die Chance, dass das Vermögen positiv beeinflusst wird. Deshalb ist es wichtig zu prüfen, welche Chancen und Risiken aktuell und zukünftig vorstellbar sind.
Die Bewertung der Anlageklassen zählt
Dabei sind immer beide Anlageklassen zu berücksichtigen, also die Anlageklasse, aus der Vermögen abgezogen wird, und die Anlageklasse, in die Vermögen umgeschichtet werden soll. Deswegen ist es beispielsweise etwas völlig anderes, ob freie Liquidität in Anleihen investiert wird, oder ob dafür Aktien verkauft werden. Die Schwierigkeit besteht in der Einschätzung des Risikos der jeweiligen Anlageklassen, das nicht konstant ist, sondern von der Bewertung abhängt.
Ist eine Anlageklasse aktuell hoch bewertet, dann ist das Risiko ebenfalls höher, weil ein Rückgang der Bewertung mit Verlusten verbunden wäre. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts höher als bei einer niedrigeren Bewertung, einfach weil der Zeitpunkt ungünstig ist. Je größer der investierte Betrag zu einem bestimmten Zeitpunkt ist, umso schwerer wiegt das Risiko, keinen guten Zeitpunkt zu erwischen.
Um die Konsequenzen einer Entscheidung mildern zu können, muss man sich deshalb überlegen, welche Bewertung in den Anlageklassen besteht, oder in den einzelnen Werten, wenn man nicht breit in die gesamte Anlageklasse investiert hat. Kommt man zu dem Ergebnis, von einer niedrig bewerten Anlageklasse in eine höher bewertete Anlageklasse umzuschichten, sollte man in Erwägung ziehen, den Investitionszeitraum zu strecken und mehrere kleinere Umschichtungen anstelle einer großen vorzunehmen.
Wo Anleger vorsichtig sein sollten
Im umgekehrten Fall, also der Verlagerung von einer höher bewerten Anlageklasse in eine niedrig bewertete Anlageklasse, braucht es keine zusätzliche Vorsicht. Dann kann man die gewünschte Umschichtung einfach vornehmen. Die Chance ist größer als das Risiko. Natürlich kann der Trend einer höher bewerteten Anlageklasse weitergehen und zu einer noch höheren Bewertung führen, aber die Wahrscheinlichkeit sinkt eben mit der Höhe der Bewertung.
Gerade Anleger, die plötzlich zu einer großen Menge Geld kommen, beispielsweise durch Erbschaften, eine Abfindung oder ähnliches, müssen deshalb vorsichtig sein. Bereits mit dem Zugang des Geldes ändert sich die Vermögensaufteilung deutlich. Ein Anleger, der ein Aktiendepot mit 500.000 Euro besitzt und weitere 500.000 Euro erbt, reduziert sein Risiko nicht, wenn er für 400.000 Euro Anleihen kauft. Seine Vermögensaufteilung war zwar vor der Erbschaft mit einem Anteil von nahezu 100% im Aktienmarkt investiert, allerdings ist eben dieser Anteil mit der Erbschaft auf rund 50% gesunken.
Diese neue Situation gilt es zu bewerten und anschließend eine Vermögensaufteilung für die neue Vermögenshöhe festzulegen. Daraus ergibt sich der Umschichtungsbedarf, der anschließend zu großen Teilen aus der Anlageklasse „Liquidität“ erfolgen kann. Der Anleger investiert anschließend 400.000 Euro in Anleihen, die durchaus hoch bewertet sein können, was beispielsweise in der Null-Zins-Phase der Fall war. Selbst wenn eine Aufteilung des Vermögens auf Aktien und Anleihen weniger riskant ist als nur Aktien, sind Anleihen dennoch riskanter als Liquidität.
Über drei Dinge sollten sich Anleger im Klaren sein.
Je nach Anlagezeitraum ergibt sich eine unterschiedliche Situation, die jedoch sehr komfortabel sein kann. Kein Anleger steht unter Zeitdruck und man kann in Ruhe die Planung der Liquidität vornehmen. Überschüssige Liquidität kann anschließend so angelegt werden, dass sowohl die Investitionen als auch die Desinvestitionen mit möglichst geringem Risiko vorgenommen werden können. Bei Wertpapieren gibt es zudem die Möglichkeit, die Umschichtung kostengünstig und einfach mittels Spar- und Auszahlplänen zu realisieren.
Schwierig sind immer Investitionen in Anlageklassen, die nicht so liquide sind. Beispielsweise kann bei Immobilien, mit Ausnahme der Investition über Fonds, nur in größeren Beträgen zu einem bestimmten Zeitpunkt investiert werden. Im Gegensatz dazu erfolgen Investition in Private-Equity-Fonds üblicherweise über den Zeitraum von mehreren Jahren, ebenso wie die anschließenden Rückzahlungen. Erst mit steigendem Vermögen wird es einfacher, weil dann die nominalen Anteile pro Anlageklasse größer werden und leichter zu allokieren sind.
Deshalb sollte sich jeder Anleger über drei Dinge im Klaren sein: Erstens gibt es keine absolut sichere Anlageklasse. Zweitens muss man akzeptieren, dass die Bewertung einer Anlageklasse zu hoch oder zu niedrig sein kann. Deswegen muss man sich drittens Gedanken machen, wie groß diese Abweichung ist und in welcher Richtung sie vorliegt. Wer sich damit auseinandergesetzt hat, reduziert die Wahrscheinlichkeit für böse Überraschungen und erhöht folglich seine Rendite.